Mein Hund ist dickköpfig und stur. Und damit gibt es auch die perfekte Entschuldigung, wenn Dinge nicht so richtig klappen. Einer muss ja schuld sein: "Mit dem kann man nicht mehr erreichen, das liegt an der Rasse". Oder noch schlimmer – „Dem zeig ich jetzt, wer der Herr ist!" Der ist eben stur, da muss man sich ordentlich durchsetzen, damit es klappt." Manchen wird dann sogar zu Korallenhalsband, oder ähnlichen Geräten geraten, die in meinen Augen Folter für den Hund sind und mit Erziehung nichts zu tun haben.
Man bekommt auf vielen Hundeplätzen auch immer noch gesagt, so müsse es sein, damit der Hund etwas lernt. Und er lernt dabei auch etwas: nämlich bestimmte Verhaltensweisen auszuführen aus Angst vor Schmerz - er lernt, dass sein Mensch manchmal unberechenbar und ohne für ihn einsehbaren Grund grob ist, was zum Vertrauensverlust führt. Sie erzeugen Konfliktverhalten, denn der Hund versteht den Ablauf nicht.
Wenn manche verzweifelte Hundehalter klagen: "Mein Hund hört nur wenn er will", dann heißt das eigentlich nur, Sie haben nicht die nötige Motivation, das für ihren persönlichen Vierbeiner passend ist. Neben der notwendigen Autorität kommt es eben gerade darauf an, den Hund dazu zu bringen, dass er lernen will. Lernen und Handeln braucht immer eine Motivation. Diese zu erzeugen, ist die Hauptaufgabe einer artgerechten, gewaltfreien Hundeerziehung. Hunde kennen kein richtig oder falsch, sondern nur "das lohnt sich" und "das lohnt sich nicht".
Bei der Meidemotvation wird die Aufgabe erfüllt, weil der Hund anderenfalls etwas Unangenehmes zu erwarten hat, dem er entgehen möchte.
Dazu ein Beispiel:
Primärmotivation: Es macht Spaß hinter dem Apportierholz herzujagen, schnell zu laufen, von seinem Herrchen/ Frauchen angefeuert zu werden, sich das Holz zu schnappen...
Sekundärmotivation: wenn das Holz geholt und schnell zurückgebracht wird, wird der Hund belohnt / gelobt, der Hundeführer freut sich, erst die 'Arbeit' dann die Belohnung (Spiel, Leckerchen) ...
Meidemotvation: wenn der Hund das Holz nicht holt, wird gebrüllt, wenn er nicht schnell genug zurück kommt, wird an der Leine gezerrt, wenn er das Holz nicht aufnimmt, wird es 'zwangsweise' in den Fang gesteckt ... (Zwangsapport), erinnert sich jedoch an die Strafe und gehorcht nicht, oder nur zögernd.
Mit einigen Überlegungen kann sicher jeder Wege finden, seinen "schwer erziehbaren" Hund so zu motivieren. (Spiele, Leckerli) Leider ist Spaß mit dem Hund oder sogar Spaß FÜR den Hund auf vielen Hundeplätzen immer noch ein Fremdwort. Selbstverständlich kann man seinen Hund allein mit Zwang durch Prüfungen bringen oder man bringt ihm etwas zwangsweise bei und versucht, ihn anschließend wieder "aufzumuntern". Selbstverständlich sind einige Hunde bereit, für abschließendes Futter oder Lob für ihren Hundeführer etwas zu tun. Aber einen wirklich freudigen, temperamentvollen Hund erhält man nur, wenn man versucht, mit Hilfe der Primärmotivation und im Spielen die Lerninhalte nahe zu bringen.
Das Ziel im Hundesport sollte nicht ein Verhältnis General- Wehrmann sein, sondern Partnerschaft unter Führung des Menschen - ein Team eben. Nur eine solche Partnerschaft bringt uns weit über den Sport hinaus Erfolg, Glück und Befriedigung.
Vergessen wir die Vorstellung, der Hund mache es für mich (uns). Hunde sind Egoisten - sie kooperieren mit uns entweder, weil sie etwas Positives erwarten, oder aber, weil sie Angst vor drohender Strafe haben.
Das "Geheimnis" einer harmonischen Hundeerziehung liegt darin, für unsere Schnüffelnase zum interessantesten Wesen der Welt zu werden.
Ein Hund, der durch positive Bestärkung motiviert ist, gerne mit sein Herrchen/ Frauchen arbeitet, legt eine ganz andere Begeisterung und Hingabe an den Tag als solche Hunde, die aus Erwartung einer eventuellen Strafe bestimmte Dinge ausführen oder vermeiden. Der Hund ist mit Leckerchen und Spiel gut motivierbar. Auch Lob kann eine zusätzliche Bestätigung für richtiges Verhalten sein. Aber als alleinige "Prämie" für Gehorsam ist Lob in aller Regel nicht genug. Lob erfüllt in der Ausbildung wichtige Funktionen: der Hund hat gelernt, dass Lob eine "handfeste" Belohnung ankündigt: Futter, Spiel, fröhliches Herumtoben mit seinem Menschen usw.
Auch "Clickern" ist nichts anderes als ein Abrichten, Dressieren auf eine menschliche Gehorsamsübung: Clickern bringt schnelle und verblüffende Erfolge. Diese Ausbildung mit dem Clicker ist gewaltfrei, ein technisches Mittel, das in unsere heutige Zeit passt, die soziale Komponente der Beziehung zwischen Hund und Mensch außen vor lässt.
Man sollte aber nie vergessen:
In der Hundeausbildung sollte der Hund im Mittelpunkt stehen und nicht die Selbstprofilierung des Hundeführers. Auch wenn der Mensch den Pokal bekommt - die Arbeit macht der Hund. Doch unserem pelzigen Mitarbeiter ist egal, wie viele Punkte er in einer Prüfung gemacht hat.